Schweizerischer Eisenbahn-Amateur-Klub Zürich SEAK

Die Vereinigung der Eisenbahnfreunde

 
 

75 Jahre Schweizerischer Eisenbahn-Amateur-Klub Zürich


 


 

Wolfgang A. Baumgartner, Präsident SEAK

  

Zu Beginn der dreissiger Jahre trafen sich einige Unentwegte im Laden von Optiker Hoppeler an der Bahnhofstrasse in Zürich, wo man die ersten Modellbaumaterialien kaufen konnte. Dies geschah ziemlich diskret, wurden doch damals "eisenbahn-spielende" Männer noch belächelt oder sogar als verdächtig eingestuft... Aus dem Zusammentreffen der Interessierten wurde ein Kennen lernen, aus dem Kennen lernen sollte ein Zusammenschluss werden. 1933 war das soweit.

 

Einige Ereignisse des Jahres 1933 im Umfeld der Eisenbahn:

 

  • Bundesbeschluss betreffend Krisenhilfe zur Aufrechterhaltung des Betriebes privater Eisenbahnen und Schiffsunternehmen erlassen. Politisch und wirtschaftlich kündigen sich dunkle Zeiten an!
  • Verordnung über die Erstellung, den Betrieb und den Unterhalt der elektr. Einrichtungen der Bahnen in Kraft gesetzt
  • Elektrifizierung der ins Ausland führenden Strecke Delémont – Delle, sowie Uznach – Ziegelbrücke – Linthal durchgeführt
  • Umbau der BTB/EB von Drehstrom auf Einphasen-Wechselstrom vorgenommen
  • Ein Felssturz beim Südausgang des Mythensteintunnels unterbricht die Gotthardbahn 26 Stunden. Es gibt Dampfschiff-Ersatzverkehr...
  • Der VR der SBB beschliesst die Einführung der Zugsicherung Signum
  • Die Neutrassierung der Strecke Ependes – Yverdon ist fertig gestellt
  • Automobile und Motorräder mit Seitenwagen gelten im Verkehr durch den Gotthard als Reisegepäck und als Expressgut durch den Simplon!
  • Eine Fahrpreis-Ermässigung für den Sommer-Ferienverkehr aus dem Ausland nach der Schweiz wird eingeführt.
  • Am Gründungstag des SEAK wurde die Ae 4/7 11019 abgeliefert

 

Im Februar 1933 trafen sich im Restaurant ”Du Nord” in Zürich einige Herren, die sich mit einem Verein zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch im Modelleisenbahn-Bau befassten. Bereits am 30. März 1933 kam es im gleichen Restaurant zur Gründungsversammlung des ersten derartigen Vereins in der Schweiz. Die Herren W. Brast, Brugg, G. Feucht, Zürich, H. Furrer, Zürich, Dr. A. Gutersohn, Winterthur, O. Hoppeler, Zürich,E. Howald, Zürich, F. Kälin, Zürich, K. Kleinhans, Zürich, W. Kleinhans, F. Lang, Brugg, B. Lorenz, Will SG, F. Lüthi, Zürich, K. Pfaff, Zürich, W. Siegwart, Baden gründeten den "Schweizerischen Klub zur Förderung des Interesses am Eisenbahnwesen".

 

Die Teilnehmer wählten den Wirtschaftswissenschafter Dr. Alfred Gutersohn zu ihrem ersten Präsidenten. Mit einem Aktuar, einem Quästor und zwei Beisitzern war über ein Drittel der Mitglieder mit Vorstandsaufgaben betreut! Bereits in der Oktober-Versammlung wurde die Bezeichnung in die heute noch gültige Form Schweizerischer Eisenbahn-Amateur Klub Zürich (SEAK) geändert. Das später gelegentlich kritisierte Adjektiv schweizerisch war angesichts der bereits damals überregionalen Bedeutung und der Erwartung, dass nicht allzu viele derartige Vereinigungen entstehen werden, vertretbar. Infolge beruflicher Belastung von Dr. Gutersohn musste bereits nach zwei Jahren ein neuer Präsident gewählt werden. Der zweite SEAK-Präsident war – nach zwei Jahren als Vizepräsident – der Elektroingenieur Walter Siegwart, der dann sehr lange – von 1935 bis 1964 – wirkte.

 

Obwohl von Modelleisenbahnern gegründet und mit viel Aktivitäten im Bereich  Modellbau – 1938 wurde beispielsweise ein Modellbau-Kurs ausgeschrieben – hat der SEAK nie eine eigene Klub-Anlage angestrebt. Durch das Vermitteln von Wissen um das Vorbild sollte nicht nur der Modellbahner, sondern der grössere Kreis von Eisenbahnfreunden angesprochen werden. Diese Strategie war sicher entscheidend für das spätere Wachstum des Klubs.

 

Schon früh dachte man über die Zusammenarbeit mit anderen Vereinigungen mit ähnlichen Interessen nach. In der Zeitschrift des "Schweizerischen Modelleisenbahn-Clubs", Bern (SMEC) erschien im Bulletin 2 vom Oktober 1937 ein Beitrag mit Vorschlägen zur Zusammenarbeit der drei schweizerischen Spitzenklubs. Eine Zusammenarbeit ergab sich rasch zwischen SEAK und SMEC:  Erstmals im Bulletin Nummer 4, ab Nummer 6 dann regelmässig, erscheinen die SEAK-Klubnachrichten im Berner Organ.

 

Der SEAK unterstütze auch die Gründung weiterer autonomer Vereine, wenn eine genügend grosse Interessentengruppe erkennbar war. So gründeten 1938 19 Mitglieder des SEAK eine selbständige Vereinigung in St. Gallen.

 

Ebenfalls noch 1938 konnte das 100. Mitglied begrüsst werden. Am 31.12.1938 zählte der SEAK 107 Mitglieder. Davon waren u. a. 21 Ingenieure und Techniker, 18 Kaufleute, 16 Handwerker, 14 SBB-Angestellte, 4 Bankangestellte und 4 Mitarbeiter der StStZ. Sie waren an 24 Orten zu Hause, u. a. 72 in Zürich, 2 in der Romandie und 1 in Bombay (damals noch Brit. Indien). Zehn Zusammenkünfte und drei Exkursionen wurden 1938 organisiert.

 

1939 bringt zuerst die Landesausstellung mit dem wichtigen Thema Eisenbahn, dann mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges auch die Mobilisierung. Die Abwesenheit vieler aktivdienstleistender Mitglieder erschwert oder verunmöglicht einen normalen Klubbetrieb. So werden Monatsversammlungen zu zwangslosen Zusammenkünften oder fielen ganz aus. Als Folge der zunehmenden Mitgliederzahlen wird 1942 eine Kategorie der Fernmitglieder eingeführt. Mitglieder, die mehr als 40 km Luftlinie (nicht Eisenbahn-Kilometer!) von Zürich entfernt wohnen und daher nur beschränkt am Klubbetrieb teilnehmen können, profitieren von einem reduzierten Mitgliederbeitrag. Auch 1942 musste der SEAK zum ersten Mal eine Todesanzeige in den Klubnachrichten veröffentlichen. Das Gründungsmitglied Oskar Hoppeler ist auf einer Gebirgstour verunglückt.

 

Grosse Bedeutung hatte die Kommunikation. Wegen des bescheidenen und teuren Angebotes an Zeitschriften und Büchern hatte der Aufbau einer Bibliothek einen hohen Stellenwert und die Benützung war entsprechend rege. Mindestens seit 1938 gibt es auch eine Zirkulationsmappe mit Fachzeitschriften. Der SEAK setzte sich demzufolge auch für die Schaffung einer Zeitschrift für die Eisenbahnfreunde ein. Im Eisenbahn-Jubiläumsjahr 1947 war es dann soweit, die damals existierenden sechs Klubs der Deutschschweiz in Basel, Bern, St. Gallen, Schaffhausen, Winterthur und Zürich gaben im Juli die erste Nummer des ”Eisenbahn-Amateur” heraus. Die gemeinsame Zeitschrift war denn auch die Basis für die Gründung des Schweizerischen Verbandes Eisenbahn Amateur im Jahr 1948. Präsident Siegwart verfasste im ersten EA einen Artikel: Der Eisenbahnmodellbau, eine anregende Freizeitbeschäftigung. In den Klubmitteilungen liest man, dass der SEAK jeden zweiten und vierten Freitagabend Zusammenkünfte im Klublokal Zunfthaus zur Waag organisiere. Dieser Rhythmus blieb jahrzehntelang unverändert. Vorträge zu aktuellen und historischen Themen der Grosstraktion, aber auch zum  Modellbau, sowie Exkursionen waren und sind Schwerpunkte der Klubtätigkeit. So wurde bereits 1948 in einer Monatsversammlung ein Vortrag zum Projekt eines Gotthard-Basistunnels organisiert! 1953 zum 20. Geburtstag des SEAK leistete sich dieser eine Exkursion zur Internationalen Verkehrsausstellung IVA in München. Die Anreise erfolgte exklusiv als Extrazug im damals topmodernen Hochleistungstriebwagen Ce 4/4 761 der BN.


 

 

25 Jahre SEAK: was passierte 1958 bei der Eisenbahn?

  • Der internationale Schnellzug "Transalpin" nimmt zwischen Basel und Wien mit ÖBB-Triebzug 4130 den Verkehr auf
  • Vom 1956 eingeführten Einheitswagen EW I kommen die ersten Zweitklass- und Speisewagen in Betrieb
  • Die SNCF-Strecke von Dôle wird bis in den Grenzbahnhof Vallorbe mit 25'000 V 50 Hz elektrifiziert
  • Die RhB nimmt die leistungsfähige Bo'Bo'Bo'-Lokomotive Ge 6/6 II in Betrieb, ebenfalls ihre erste Doppelspur Chur – Domat/Ems
  • Zwei Standseilbahnen werden auf Zahnradbetrieb umgestellt: LO und RhW
  • Der nach Morez in Frankreich führende Abschnitt der NStCM wird eingestellt
  • LJB und LMB fusionieren zur OJB
  • Die letzten Teile der ersten elektrischen Bahn der Schweiz, der VMCV, werden auf Trolleybus umgestellt, das gleiche erfährt die STI
  • Das Schweizer Volk stimmt einem neuen Verfassungsartikel über den Bau eines Nationalstrassennetzes zu

 

Mit dem Wachstum der Nachkriegsjahre expandierte auch der SEAK. Anfangs der fünfziger Jahre wurde die Marke von 300 Mitgliedern erreicht, in den sechziger Jahren überschritt der Mitgliederbestand 400. 1961 wurden die Klublokalitäten ins Restaurant Du Pont verlegt. Für Bibliothek und Modellbauhock konnten später Räume im Dachstock einer SBB-Liegenschaft an der Gessnerallee bezogen werden.

 

Nach 21 Jahren in verschiedenen Vorstandstätigkeiten wurde 1964 der Elektroingenieur Emil Klingelfuss dritter Präsident des SEAK. Unter ihm konnte 1970 das 500. Mitglied gefeiert werden. Viele Versammlungen mit voll besetzten Sälen und bedeutenden Referenten, eine stark expandierende Bibliothek, Exkursionen mit vielen Besonderheiten und organisatorisch anspruchsvolle Teilnehmerzahlen von bis zu 239  (Rekord?) kennzeichneten den damaligen Klubbetrieb. Legendär waren auch die "Wanderprediger-Anlässe", bei denen Emil Klingelfuss jeweils im Herbst die Neuigkeiten des Modelleisenbahn-Sektors seinen mitbegeisterten Kollegen im SEAK und anderen Vereinen präsentierte. Bei der Geburtstagsfeier "40 Jahre SEAK" auf dem Dampfschiff "Stadt Rapperswil" waren gegen 600 Mitglieder, Angehörige und Gäste an Bord!

 

Der Vorstand musste erweitert, die Administration verbessert werden. Seit 1978 gibt der SEAK auch ein Mitteilungsblatt für die Klubmitglieder – das "Anschlussgleis" –heraus, es wurde übrigens bereits 1984 auf PC-Erstellung umgestellt! In der Hochkonjunktur wurde es aber auch immer schwieriger, Mitglieder für die Übernahme der verschiedenen Klubaufgaben zu gewinnen. Beispielsweise gab es über viele Jahre keinen Modellbauhock, weil keine Organisatoren gefunden werden konnten! Das Maximum an Mitgliedern wurde 1981 mit 656 Mitgliedern – in der Schweiz, in Europa, in Amerika und in Australien – erreicht, seither ist eine rückläufige Bewegung zu verzeichnen. Modellbauhock und Bibliothekbetrieb mussten 1986 mit dem Verlust der letzten Klubräume an der Gessnerallee aufgegeben werden.

 

50 Jahre SEAK und die Eisenbahn 1983


 

  • Die Schleife Sargans – Trübbach wird in Betrieb genommen
  • Die SZU nimmt die Doppelspur Zürich Selnau – Zürich Giesshübel in Betrieb
  • MOB und GFM erhalten leistungsfähige Lokomotiven GDe 4/4 mit Anschnittsteuerung
  • Vom bereits sehr geschätzten EW IV werden die ersten Zweitklass- und Speisewagen eingesetzt
  • Der Bundesrat befürwortet den Bau einer Eisenbahn-Alpentransversale, erachtet aber einen Baubeschluss als verfrüht


 

Nach 22 Jahren als Präsident übergab Emil Klingelfuss im Sommer 1987 sein Amt an Walter Meyer, ebenfalls Elektroingenieur. Unter dem vierten Präsidenten wurde der Klubbetrieb reorganisiert und an die rückläufige Nachfrage angepasst, sowie eine Stabilisierung der finanziellen Lage eingeleitet. Dazu gehörte 1996 der Wechsel des Versammlungslokals von der teuren City in das günstigere, dank S-Bahn aber zwischenzeitlich gut erschlossene Aussenquartier Wollishofen.

 

Der SEAK bietet weiterhin hoch stehende Fachreferate und Diashows in seinen Monatsversammlungen an. Ferner organisiert er jedes Jahr einige Reisen, teilweise mit Extrazügen und Fotohalten. Blicke hinter die Kulissen von Depots, Werkstätten und Fabriken, Abstecher zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln oder kulturgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten gehören ebenso zu diesen Exkursionen wie die sprichwörtliche Pflege der kulinarischen Genüsse. Neben der Bibliothek offeriert der SEAK auch  Lesemappen mit Fachzeitschriften aus Europa und Amerika  zur Zirkulation bei interessierten Mitgliedern.

 

Neue Bewegung in den Klubbetrieb brachte die Lancierung, Verabschiedung und Umsetzung eines Konzeptes mit verschiedenen Werbe- und PR-Massnahmen. Ein Ausbau des Kluborgans "Anschlussgleis", die Beschaffung eines Ausstellungstandes und die Aufnahme einer intensiven Werbetätigkeit brachten dem Klub vor allem im Jubiläumsjahr 150 Jahre Schweizer Bahnen 1997 eine erfreuliche Zahl von neuen Mitgliedern. Es zeigte sich allerdings auch, dass viele der gewonnenen Mitglieder den SEAK bald wieder verliessen oder sogar ausgeschlossen werden mussten. Der stetige Rückgang der Mitliederzahlen konnte so leider nur etwas verzögert werden.

 

Zur Erneuerung gehörte im Weiteren ein neuer Präsident. 1997 wurde der weit gereiste Peter Lais zum fünften Präsidenten gewählt. Auch in der Frage eines Klublokals kam man einen wesentlichen Schritt weiter. Im ehemaligen Relaisraum des Bahnhofs Tiefenbrunnen konnte der SEAK sich als Mieter bei den SBB einrichten. Mit viel Fronarbeit – und auch etwas Geld – entstand ein Lokal für kleinere Treffen, Vorstandssitzungen, Sekretariatsarbeiten und die umfangreiche Bibliothek. Als damalige Besonderheit wurden PC-Arbeitsplätze eingerichtet, die weite Welt des Eisenbahn-Internets erschliessen. Mit einem Loksimulator kann man virtuell selber Züge führen. Mit dem eigenen Klublokal konnte auch wieder ein regelmässiger Höckbetrieb für Bibliotheksbenutzer und Modellbaufreunde eingeführt werden. Selbstverständlich hat der SEAK auch selber eine Homepage unter www.seak.ch eingerichtet, die in aktueller Form über vieles der Eisenbahn kommuniziert.

 

Im prestigeträchtigen Jahr 2000 durfte der SEAK die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Verbandes Eisenbahn-Amateur SVEA organisieren. Der sprachenbewanderte Präsident begrüsste Delegierte und Gäste akzentfrei in den vier Landessprachen...

 

2003 bedurfte es wieder eines neuen Präsidenten. Nach einem jüngeren Präsident kam wieder ein Veteran zum Zug. Der Maschineningenieur Wolfgang A. Baumgartner –  seit 1983 im Vorstand tätig – wurde zum sechsten Präsidenten des SEAK gewählt. Unter ihm wurde die Organisation weiter verschlankt und an dem schrumpfenden Markt angepasst, sowie die Abläufe – im Managementjargon Prozesse genannt – optimiert. Mitglieder zur Übernahme von Klub-Aufgaben zu bewegen bleibt eine aufwändige Daueraufgabe, aber auch die Organisation von Vorträgen und Reisen wird im Zeitalter der dominierenden Kostenstellen und der Kompetenzen einschränkenden Divisionalisierungen immer anspruchsvoller. Die Zusammenarbeit mit befreundeten Organisationen, wie etwa für Exkursionen mit der Schweizerischen Gesellschaft für Technikgeschichte und Industriekultur SGTI, hilft da mit, die knappen Ressourcen zu schonen.

 

Die heute noch etwa 360 Mitglieder gehören allen Altersklassen an. Schwergewichtig sind fast 2/3 davon allerdings Veteranen, also schon mindestens 25 Jahre Mitglied im Klub. Die Mitglieder finden sich im Grossraum Zürich, in allen Landesteilen der übrigen Schweiz und sogar im Ausland bis Übersee. Sie repräsentieren viele Berufsgattungen, auch eine kleine, aber zunehmende Anzahl von Damen macht mit.