Schweizerischer Eisenbahn-Amateur-Klub Zürich SEAK

Die Vereinigung der Eisenbahnfreunde

 
 


Foto und Text von Bernhard Ledermann 


Mit TEE-CLASSICS in die Ajoie


Liebe Eisenbahnfreunde

Am 23. April 2022 ging in Porrentruy die 28. GV des Vereins tee-classic über die Bühne. Die Mitglieder hatten die Möglichkeit mit einem Extrazug in Zusammen-arbeit mit dem Klub Bm 22-70 von Brugg, Aarau und Olten aus in den Kanton Jura zu reisen.

Da die Re 4/4 I 10034 infolge eines Hauptschalterproblems unpässlich war, wurde der Extrazug von der Re 4/4 II 11393 geführt (Bild 03121 in Olten). Über die Besitzverhältnisse der Re 421 393-0 wurde bereits in der tee-time 1/2021 berichtet. Via Kursbuchlinie 410 (Jura-Südfuss) führte die Fahrt via Oensingen (Bild 03124 unterwegs kurz vor Oensingen) in Richtung Solothurn. Von der westlichen Haltestelle der Ambassadorenstadt nahm der Extrazug die bis zu 28 Promille ansteigende Strecke der ehemaligen Solothurn-Münster-Bahn (SMB) in Angriff durchquerte bei Oberdorf den 3700 m langen Weissensteintunnel und erreichte dann Gänsbrunnen. Von dort neigte die Strecke auch bis zu 28 Promille in den Kanton Bern wo vom Zug aus schöne Fotos mit der Frühlings-landschaft im Jura aus geschossen werden konnten wie auf dem Bild 03129 bei Crémines-Zoo. Kurz vor Corcelles BE überquerte der Extrazug auf dem Bild 03137 den 96 m langen und 17 m hohen Steinbogenviadukt mit Blick auf den 1302 m ü. M. hohen Mont Ramieux. 


Die am 01. August 1908 eröffnete SMB mit einer Betriebslänge von 23 km wurde am 02. Oktober 1932 elektrifiziert. Via Moutier (Münster) erreichte der Extrazug Court an der SBB-Linie Sonceboz-Sombeval - Moutier. (KBS 226) Court im Berner Jura wurde per Schiene erstmals am 16. Dezember 1876 von Tavannes her erreicht und der der gut 6,4 km lange Abschnitt von/bis Moutier wurde am 24. Mai 1877 auch dem Betrieb der damaligen Jura bernois (JB) übergeben. In Court, u.a. 1988 Taufpate für die braune BLS-Re 4/4 162 gab es einen längeren Foto-Aufenthalt, da ein Fahrrichtungswechsel für die Weiterfahrt in den Kanton Jura vorgenommen werden musste (Bild 03141a) Dieser Aufenthalt wurde trotz nasskalter Witterung von den meisten Teilnehmer der tee-classics und Bm 22-70 rege genutzt um sich untereinander auszutauschen oder sich dem Extrazug und Infrastruktur zu widmen. Auf dem Bild 03147a sehen wir den tee-classic-Extrazug mit der Re 421 393-0, den Bm 22-70 201, 202 und dem SRm 401 in Court, wo die Station nach wie vor bedient ist wie auf dem Bild 03149 mit dem einfahren R 7116 mit einem SBB-RBDe 560 Pendelzug (Domino). Wer die Eisenbahnromantik im Vallée de Tavannes mit den bedienten Stationen noch erleben will, hat noch gut vier Jahre zeit. Laut SBB sollte die per 02. Mai 1937 elektrifizierte Strecke ab 2026 dann vom BZ West in Lausanne aus gesteuert werden. Zurück via Moutier und weiter durch die Klus mit der Querung der Kantonsgrenze von Bern/Jura erreichte der die Teilnehmer bei strömenden Regen Delémont, wo sie nach einem kurzen Diensthalt weiter via Glovelier nach Porrentruy gelangten.


Nach einem kurzen Fussmarsch resp. mit einem Shuttle für die mobilitäts-eingeschränkten Reisenden wurde das Tagungslokal Auberge d’Ajoie an der Alleine erreicht. Nach einen ausgiebigen Mittagessen gespickt mit einer herzlichen Gastfreundschaft aus der Romandie konnte dann Präsident Salem Blum die 28. GV von tee-classics eröffnen, welche bei einer hohen Teilnehmer-anzahl zügig über die Bühne ging. Die Bilder 03151a und 03151b zeigen die Lokalität im Herzen von Porrentruy sowie einer Innenaufnahme der geschichtsträchtigen Gaststätte.


Geschichtsträchtig ist sicher auch das Bild 03153 mit dem tee-classic-Extrazug während den Bremsproben im Bahnhof Porrentruy sowie der S3-17359 mit dem SBB-RABe 523 036-7 nach Olten via Basel SBB und zwar mit dem mächtigen Bahnhofgebäude. Denn der Jura resp. Porrentruy wurde mit der Eisenbahn erstmals am 23. September 1872 via Delle und zwar von Frankreich (!)  her erreicht. Das veranlasste dann den Kanton Bern in den 1870er Jahren betreffend Eisenbahnen im Jura endlich zu handeln, nachdem der Eisenbahn-Pionier Xavier Stockmar (1797-1864) aus der Ajoie sich schon ab den 1850er Jahren leider erfolglos für die Anschliessung des Juras an das Schweizerische Eisenbahnnetz einsetzte. Man bedenke im Jahre 1860 wurde von Neuchâtel aus bereits La Chaux-de-Fonds sowie auch Pontarlier erreicht während dem der Kanton Bern sich immer noch quer stellte, dies ist nur ein Kapitel zur Jurapolitik des Kantons Bern wo zur Eisenbahn mehr unter dem Kapitel "Der Berner Bär im Jura: Das Netz der Jurabahnen" aus der Fachpublikation "3x50 Jahre Schweizer Eisenbahnen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" aus dem Pharos-Verlag entnommen werden kann. Während die ersten Bahnstationen des Jurabahnnetzes auch aus Geld- und Zeitmangel vielfach aus Holz erstellt wurden, wurde in Porrentruy ein herrschaftliches Bauwerk erstellt, aus einer Mischung aus Grenzfestung und Palace-Hotel, wohl 1872 nach Plänen der PLM mit einer Erweiterung im Jahre 1877 u. a. für die Räume der schweizerischen Zollabfertigung, hatte doch Porrentruy lange den Rang als Grenzbahnhof.


Auf der Rückfahrt erreichte der Extrazug St-Ursanne wo mit einer Langsamfahrt für die zahlreichen Fotografen aus dem Zug aus der 50 m hohe und 260 m lange Viadukt über die Combe Maran überquert (Bild 03164) und dazu x-mal abgelichtet wurde. Via Delémont ging die Fahrt durch das Laufental in Richtung Basel weiter, wo es in Grellingen nochmals ein Dienst- sowie Fotohalt gab. (Bild 03168)


Zur Vervollständigung zu den von der tee-classic befahrenen Linien im Jura sei noch erwähnt das Delémont ab dem 25. September 1875 von Basel SBB her erreicht wurde sowie ab dem 16. Dezember 1876 von Moutier her und die Ajoie wurde am 15. Oktober 1876 resp. 30.März 1877 in das Schweizer Bahnnetz integriert. Weiter wurde die KBS-Linie 240 von Delémont nach Delle per 15. Mai 1933 elektrifiziert und die zur KBS-Linie 230 gehörenden Abschnitte Moutier - Delémont am 15. Mai 1928 inkl. der Grenchenberg-Linie von Lengnau her und im Laufental wurde ab dem 01. November 1931 elektrisch gefahren.

Via Basel VL und dem Fricktal, wo den Teilnehmer ein feines z'Vieri-Plättli serviert wurde wurde dann an frühen Abend Brugg erreicht. In Brugg wurde dann noch die zweite von der IRSI übernommen SBB-Re 421 387-2 vor den Extrazug gespannt (Bild 0371), ein krönender Abschluss zu dieser Frühlingsfahrt, welcher auch wieder dank dem Einsatz aller Beteiligten der beiden Vereine problemlos über die Bühne ging - hier gebührt allen ein wieder einmal mehr ein gosser Dank. Nach den Verabschiedungen traten dann die Teilnehmer den individuellen Heimweg an.




BLS-News aus Erlenbach im Simmental

Liebe Eisenbahnfreunde

Ich hoffe Ihr seid trotz der aktuellen Situation gut ins neue Jahr gestartet.

Am 12. Dezember 2021 fuhr ich ins winterliche Simmental betreffend dem Ende der Ära der EW III. Und aus dem Simmental folgt nun die erste Reportage d. J.  Denn am 15. Januar 2022 fuhr ich nach Erlenbach um die Traktion der in diesem Fahrplan auf die Relation Spiez - Zweisimmen beschränkten RE 40xx zu beobachten. Denn die zwei Dienste sind mit je einem RBDe 566 II - B-Lego - ABt - ABt ex RM bestückt.

Auf dem ersten Bild 9223 sehen wir den RE 4073, Spiez - Zweisimmen mit dem RBDe 566 II 238-2, B-Lego 521, ABt 938 und 942 oberhalb Erlenbach. Dahinter grüsst der Niesen.


Gut zehn Minuten später folgt an diesem prächtigen Wintertag nach deren Zugkreuzung in Därstetten auf dem Bild 9224 der RE 4072, unterwegs von Zweisimmen nach Spiez und zwar mit dem  RBDe 566 II 232-5, B-Lego 517, ABt 932 und 933, unterwegs auch im Gebiet Kleindorf oberhalb Erlenbach. Wir beachten auch die neue Fahrleitung vom Typ R, welche die bls bei deren Erneuerungen auch auf der BN, GBS, SEZ sowie den Linien des ehemaligen RM verwendet sowie auch das moderne Vorsignal zur Station Erlenbach. Abgerundet wird dieses Bild mit der 1949 m ü. M. hohen Stockenfluh und dem Stockenwald. Zu erwähnen ist noch dass diese zwei nun gut 37 jährigen Pendelzugkompositionen keinen Niederflurbereich aufweisen und weiter sind nur die zwei Steuerwagen klimatisiert und dazu können die Kunden auch nicht zwischen den beiden ABt zirkulieren. Ob diese zwei nicht uninteressanten Kompositionen während dem ganzen Fahrplanjahr im Simmental anzutreffen sind, kommt auch auf den Bestand der sich in der Ablieferung befindlichen Triebzüge des Typs RABe 528 darauf an, den die MIKA waren eigentlich für die Ablösung der EW III vorgesehen, jedoch reicht(e) aktuell deren Bestand noch nicht. Siehe dazu auch NiK im Eisenbahn Amateur 1/2022.


Das Gebiet Kleindorf an der Simme erreichte ich nach einem gut 10-15 minütigen Fussmarsch von Erlenbach aus. Auch über deren Bahnstation gibt es aktuell zu berichten. Denn Erlenbach im Simmental wurde erstmals am 16. August 1897 von Spiez her mit der Eisenbahn erreicht. Seit dem 01.November 1902 fährt die Eisenbahn weiter das Simmental hinauf nach Zweisimmen.

Bis 1942 wurde die gut 35 km lange Bahnstrecke durch die Bahngesellschaften Spiez - Erlenbach-Bahn (SEB) und der Erlenbach -Zweisimmen-Bahn (EZB) betrieben, welche nach der Sanierung auch durch Bundeshilfe zur Spiez - Erlenbach - Zweisimmen-Bahn (SEZ) fusionierten. Die SEZ ging dann 1997 wie auch die von der damaligen Berner Alpenbahngesellschaft Bern-Lötschberg-Simplon (BLS) mitbetriebenen BN und GBS in die damalige BLS Lötschbergbahn AG über, der Vorgängerin der heutigen BLS AG. Denn in Erlenbach i. S. wird wie die Bilder 9225 und 9226 zeigen gebaut. 


Doch bevor wir zum aktuellen Bahnhofumbau eingehen noch eine kurze historische Zusammenfassung. Denn das jetzige Aufnahmegebäude wurde von der SEZ am 01.Oktober 1981 bezogen. Es ersetzte das aus den Anfängen der SEB erstellte Aufnahmegebäude von gut 125 Jahren. Bereits ab 1967 war man sich nach der Beurteilung des Bauzustandes des damaligen Gebäudes einig, dass es durch ein Neubau ersetzt werden sollte. Jedoch standen die notwendigen Mittel der SEZ nicht zur Verfügung, so dass notgedrungen immer wieder bauliche Ausbesserungen vorgenommen werden mussten. Schliesslich konnten die Verwaltungsbehörden der damaligen SEZ an deren Herbstsitzungen im Jahre 1978 auch dank Bundes- und Kantonshilfe zwei folgende Kredite bewilligen:

CHF 840'000.-- für ein ein neues Aufnahmegebäude mit Güterschuppen, Freiverladerampe und Dienstwohnung

CHF 740'000.-- für eine neue Sicherungsanlage Domino mit Fernübertragung, automatischem Block und Weichenheizung

Ab August 1980 konnten dann die Bauarbeiten in Angriff genommen werden, so dass bereits im Juni 1981 die Diensträume und Wohnungen im jetzigen Gebäude bezugsbereit waren. Der Abbruch des alten Güterschuppens erfolgte dann am 29. Juni 1981. Gut acht Monate nach dem Bezug des neuen Aufnahmegebäudes konnte Ende Juni 1982 auch das Dominostellwerk in Betrieb genommen werden und ab dem 12. Juli 1982 wurde das damals 85 jährige, altersschwaches aus den Gründungszeiten stammende Aufnahmegebäude abgerissen.

Nun investiert die bls gut 18 Millionen Schweizer Franken in den Bahnhofumbau in Erlenbach i. S. um auch die Gleisanlage und den Bahnhofvorplatz neu zu gestalten. Deren Bauarbeiten starteten im Juli 2021 und zuerst wird das schmale Mittelperron zurückgebaut und durch zwei je 220 m lange und teilüberdeckte Aussenperrons ersetzt, welche durch eine neue Unterführung verbunden werden und über Rampen hindernisfrei  zugänglich sein werden. Weiter wird die Fassade des Aufnahmegebäudes sowie die beiden Wohnungen saniert und der Güterschuppen wird zurückgebaut. Weiter entstehen ein neuer Wartesaal sowie eine neue Verkaufsfläche, eine behindertengerechte WC-Anlage und eine neue Park-and-Ride Anlage mit 30 bewirtschafteten Parkplätzen und auch Veloabstellplätzen.

Im 2. Ausbauschritt sind der Neubau des Umschlageplatzes Schiene/Strasse sowie der dazugehörenden Zufahrt geplant, doch dort läuft noch ein Einsprachenverfahren. 

Die bls hofft den umgebauten Bahnhof im Dezember d. J. dem Betrieb zu übergeben. Mehr zu den aktuellen Bauprojekte bei der bls kann unter folgendem Link entnommen werden:

https://www.bls.ch/de/unternehmen/projekte-und-hintergruende/bauprojekte

Zur Geschichte der zwei Bahnhofgebäude konnte ich auf die damalige interne Hauszeitschrift der BLS-Gruppe 1/1979 und 1/1983 zurückgreifen.

Mit diesen vier Bilder aus dem Simmental wünsche ich Euch Allen noch eine schöne Zeit und bleibt weiterhin gesund

Freundliche Grüsse

Bernhard Ledermann

 
 
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